Baubericht da Vinci Panzer von Retrokit im Maßstab 1:72

von Dr. Michael Brodhaecker
Leonardo da Vinci war nicht nur hinsichtlich seiner künstlerischen Leistung ein Genie, sondern auch technisch sehr interessiert und so konstruierte er neben vielen anderen technischen Geräten wie Kränen, Mühlen etc. im Jahre 1485 auch einen Panzerwagen. Waffen beschusssicher an den Feind heranzubringen war eine stetige Herausforderung der militärischen Planer und da Vincis Idee für einen gepanzerten Waffenträger reicht schon recht weit in die Zukunft. Als Antrieb wählte er ein muskelkraftbetriebenes Getriebe, das die Räder des Fahrzeuges antreiben sollte. Allerdings war der Panzer wohl viel zu schwer, um ihn wirklich vorwärtszubewegen. Hinzu kam eine geradezu lächerlich geringe Bodenfreiheit sowie viel zu tief angesetzte Waffen - bei dem kleinsten Bodenhindernis wäre da Vincis Panzer wohl unweigerlich liegengeblieben.

Die englische Firma Retrokit hat den Entwurf ein wenig überarbeitet:
"Retrokit's model kit of the Da Vinci tank represents what could have been. [...] we gave it smaller but wider wheels and a higher ground clearance. [...] The turret was also kept, but to ease loading and unloading, we added a large door to the hull. The firing ports are reduced in number and relocated higher on the hull."

In einer sehr stabilen Kartonage mit einem schönen Deckelbild finden sich dann gut gegossene Resinteile mit kleinen Angüssen sowie drei Abziehbilder für Wappen.



Beim Abtrennen der Angüsse am Panzeroberteil passierte mir dann ein kleines Missgeschick: ich brach ein Teil der Panzerung mit ab. Also besser mit einer photogeätzten Säge die Angüsse grob entfernen und den Rest dann mit Schleifpapier entfernen!



Der Zusammenbau des kleinen Modells geht dann recht schnell vonstatten: Ober- und Unterwanne miteinander verbinden, die drei Stangen für den Turm einkleben und dann das Turmteil provisorisch auf den Stangen befestigen. Dann werden noch die Räder untergeklebt und die Kanonen/Handbüchsen in den dafür vorgesehenen Löchern befestigt und fertig ist der Rohbau:

Zeitaufwand bisher (inklusive Versäuberung der Teile): 1 Stunde

Jetzt geht es an die Lackierung:
Zuerst das Vorschattieren "auf die faule Art". Ein 0,75mm breiter Edding betont die Ritzen zwischen den einzelnen Holzpaneelen.




Danach kommt ein erster Farbauftrag mit "Dark earth" von Gunze an die Reihe.



Das Preshading (die Vorschattierung) ist jetzt kaum noch wahrnehmbar - so soll es sein.
Nach diesem ersten Farbauftrag habe ich dann immer wieder einzelne Paneele abgeklebt und mit aufgehelltem, abgedunkeltem oder durch die Zugabe von Rot und Ggelb farblich nuanciertem "dark earth" lackiert.
In diesem Stadium des Lackierens sah der da Vinci Panzer recht buntscheckig aus.
Abschliessend habe ich mehrfach stark verdünntes (75% Spiritus und nur 25% Farbe) und teilweise aufgehelltes "dark earth" über das gesamte Fahrzeug genebelt - dadurch werden die Farbkontraste ein wenig "gebrochen" und die Oberfläche sieht schon wesentlich homogener und nicht mehr so buntscheckig aus.
Mir war es wichtig, den Panzer mit nur einer Farbe zu bemalen, um zu sehen, ob ich alleine durch Aufhellen, Abdunkeln und die Zugabe anderer Farben zur Grundfarbe ein breites Spektrum an Holztönen erzeugen könnte. "Dark earth" war dann schlicht der Farbton, der gerade zur Hand war!
Die Bemalung der Kanonen/Handbüchsen erfolgte mit Messing von Gunze, die einzelnen Nieten, die die Paneele auf dem Grundgerüst halten sowie die Scharniere der Zugangspforte wurden mit Tamiya XF-10 "Gun metal" per Pinsel bemalt.
Das kleine Modellchen ruht auf einer provisorischen Grundplatte aus einem Bilderrahmen mit zurechtgeschnittener Styrodurplatte, mit Holzleim eingestrichen und NOCH-Flockage aus der Eisenbahn-Abteilung begrünt. Was noch fehlt, ist die farbliche Behandlung der grünen Grundfläche...





Sollte ich den einen oder anderen Appetit geweckt haben: Retrokit versendet nach Deutschland für ein minimales Porto von ca. 2.50 Euro! Und da die Modelle in wirklich extrem stabilen Kartons verpackt sind, ist der Postweg auch mit keinen Gefahren für die Modelle verbunden.
Besucht einfach mal www.retrokit.net und staunt - die Jungs haben unzählige Modelle im Angebot, die sonst keiner hat.

Alle Fotos © 2009 Dr. Michael Brodhaecker .