Der Bausatz ist schon beim Öffnen eine wahre Augenweide: Bruchsicher in einem sehr stabilen Karton verpackt, findet man filigran abgespritzte und mit feinen versenkten Gravuren versehene Einzelteile. Die Kanzel ist glasklar, schlieren- und verzugfrei gespritzt und gestattet ("leider" muss man sagen!) einen guten Einblick in das rudimentäre Cockpit. Die Abziehbilder sind "erste Sahne" und gestatten den Bau einer deutschen sowie einer britischen Maschine. Die Bauanleitung ist, ebenso wie die Bemalungsanleitung (hierzu später mehr), übersichtlich gestaltet.
Der Zusammenbau
ist, gemäß der Hobby Boss-Philosophie, Anfängermodelle zu
günstigen Preisen auf den Markt zu bringen, kinderleicht:
Die untere Hälfte des horizontal geteilten Rumpfes wird mit der oberen
Rumpf-/Tragflächeneinheit verbunden; das Seitenruder wird angeklebt und
fertig ist der Rohbau!
Man muss jedoch unbedingt darauf achten, dass die Stützstreben A9 und A10
auf das Teil A7 geklebt werden, bevor dieses wiederum im Unterrumpf befestigt
wird vergisst man dies, lassen sich die Stützstreben der Landekufe
nur noch mit roher Gewalt in den Fahrwerkschacht einbringen zumal sie
eigentlich um 90 Grad gedreht eingebaut werden müssen!
Der Rest ist wirklich ein Kinderspiel: Zusammenbau des Startwagens, Befestigung
des separaten Rumpfbugs, Anbau der Kleinteile und Einkleben der Kanzel.
Aufgrund des doch arg spartanischen Cockpits würde ich davon abraten, die
Kanzel geöffnet darzustellen. Das Cockpit erhielt zuvor eine Lackierung in
RLM 66 schwarzgrau sowie eine dezente Alterung. Sitzgurte kann man, muß
man aber nicht nachrüsten - Kreppband oder das hervorragende Tamiya-Tape
leisten wirklich gute Dienste. So sieht das Cockpit wenigstens ein
bißchen interessanter aus.
Für die Lackierung konnte ich der britischen Beuteversion nicht widerstehen: Die Me 163 mit der Werknummer 191060 war im Juli 1945 beim Royal Aircraft Establishment (RAE) u.a. in Farnborough als "VF 241" zu Versuchszwecken eingesetzt. Hierbei flog sie jedoch nicht mit eigenem Antrieb, sondern wurde als Segelflugzeug hinter einer Spitfire geschleppt.
Hobby Boss empfiehlt für diese Maschine gelbe Unterseiten. Ob die
Unterseiten wirklich gelb waren oder im originalen RLM 76 belassen wurden, ist
zumindest ungewiss. Ich habe mich für Gelb entschieden, da es die
wahrscheinlichere Farbe ist: RAF-Prototypen waren in der Regel mit gelben
Unterseiten versehen und außerdem sieht das Gelb einfach interessanter
aus!
Bezüglich der Oberseiten ist der Fall noch komplizierter: Hobby Boss gibt
hier die Farbtöne RLM 81/82 an; im Prinzip stimmt das mit der
üblichen Luftwaffe-Lackierung überein, jedoch kann man auf den
veröffentlichten Photos der "VF 241" beim besten Willen keine
Farbdemarkationslinien auf den Tragflächen erkennen. Der Rumpf ist bei
Hobby Boss als RLM 82 "über alles" angegeben auf sämtlichen
Photos der "VF 241" ist jedoch eindeutig ein heller Untergrund mit dunklen
Tarnflecken sowie soliden grünen Stellen zu sehen.
Meine Interpretation: Der Rumpf war in RLM 76 hellgrau mit RLM 74 oder RLM 75
Tarnflecken gespritzt; die Tragflächen waren (wie damals üblich)
separat gefertigt und wurden erst im Zuge der Endmontage mit einem bestimmten
Rumpf verbunden. Daher der scharfe Farbübergang von der hellen Rumpffarbe
zur dunkelgrünen Tragflächenfarbe. Die Oberseite der Tragfläche
ließ ich einfarbig, weil ich annehme, dass die britischen Mechaniker die
deutsche Tarnfarbe überall da, wo Balken- oder Hakenkreuze zu sehen waren,
übermalt haben. Am Seitenruder übermalte man das Hakenkreuz mit der
Trikolore ("fin flash"), am Rumpf wurde das Balkenkreuz mit der RAF-Kokarde
übermalt und die Tragflächen wurde vielleicht "am Stück" in
einem Grünton überlackiert
wie gesagt: nur eine Interpretation
der mir vorliegenden Bilder der "VF 241".
Kritikpunkte gibt es eigentlich nur einen: Die schlichtweg falsche Lackiervorgabe bei der RAF-Version und das, obgleich der gleiche Bausatz (nur jetzt zusammengebaut!) als Fertigmodell in der richtigen Lackierung verkauft wird! Das spartanische Cockpit ist "philosophiebedingt" und daher nicht zu kritisieren.
Das Fazit fällt ähnlich wie bei der He 162 aus: Ein stimmiges kleines Modell; entweder als zufriedenstellende Replik für Anfänger oder einfach als kleines "Modell für Zwischendurch" und das alles auch für den schmalen Geldbeutel erschwinglich. Besser kann man Anfängermodellbau nicht betreiben und das Segment der einfach zu bauenden und günstigen Modelle zum "Taschengeldpreis" wächst dank solch innovativer Firmen wie Hobby Boss.
Appetit bekommen? Hobby Boss-Modelle gibt es im gutsortierten Fachhandel, bei
diversen Internethändlern oder auch direkt beim Importeur IBG-Modellbau in
Berlin.
Da ich mittlerweile wirklich einen "Narren" an diesen schmucken kleinen
Modellchen gefressen habe, kann ich mit gutem Gewissen versprechen: Weitere
Besprechungen werden folgen!