Baubericht Messerschmitt Me 262 A-1a von Trumpeter im Maßstab 1:32

von Thorsten Wöhrmeyer

Angefangen habe ich mit dem Cockpit:



Dieses stellt den Modellbauer vor keine unlösbaren Probleme, nur die Anbringung der Fotogeätzten Gurte PE5 und PE6 ist meines Wissens nach falsch. Diese sind auf der Außenseite des Sitzes anzubringen und nicht auf der Innenseite (Auf dem Foto noch die falsche Position (Bei dem der noch dran ist )) Auf der Rückseite des Instrumentenbretts habe ich noch die Verkabelung der einzelnen Komponenten mit 0.5mm Kupferdraht und Tamiya-Tape nachgebildet und in die Teile D34 zwei Löcher als Kabeldurchführung gebohrt, Selbige habe ich natürlich im Teil A4 (Obere Cockpitwanne) vergessen und dieses grade beim Fototermin bemerkt - Na ja shit happens.

Das Cockpit habe ich in verschiedenen Segmenten vormontiert, um mir die farbliche Gestaltung ein wenig zu erleichtern.

Die Canopy:

Auch bei dieser Sektion warten keine bösen Fallen. Lediglich das Entgraten und Versäubern der verklebten Verschlussblockhälften der MK103 ist ein wenig nervig, aber wozu gibt es schließlich Schleiffließe von 3M. Hier habe ich den Verschlussblöcken ein Kabel für die elektrische Abfeuerung verpasst welches ich später in die Klemmkästen D37 und D39 (in welche ich schon Löcher gebohrt habe) einführe. Und wo wir grade beim Bohren sind: auch den Kanonenmündungen wurde dieses Schicksal zuteil. Auch hier wurde wieder in Segmenten vormontiert.

Nachdem ich mich zwischendurch ein paar Tage mit den Katastrophen des Alltages beschäftigt, und vergeblich das Internet nach Bildern zweier gleicher Jumo004 Triebwerke durchforstet habe, musste ich bei der Detailierung der Verdrahtung bzw.der Verschlauchung "kleinere" Kompromisse eingehen.

Des weiteren ist mir bei dieser Sucherei aufgefallen, dass das Trumpeter Triebwerk trotz aller Detailversessenheit NICHT VOLLSTÄNDIG ist . Auf der Oberseite sind bei dern meisten Orginaltriebwerken wesentlich mehr Pumpen, Ölverteiler... vorhanden. Mangels weiterführender Literatur bin ich zur Lösung dieses Problems zum intelligenten Raten übergegangen .

Zum Zusamenbau des Triebwerks muss ich noch sagen, dass man tunlichst darauf achten sollte die Bauteile F52 und F30 richtig zu positionieren, da man sonst die Triebwerksverkleidungen nicht mehr anbringen kann !! Um das fertige Triebwerk besser in die Verkleidung einzupassen, habe ich die Passstifte auf den Teilen F9 F10 und F49 halbiert, da die Distanz zwischen den passenden Löchern in der Verkleidung zu groß war. Die trocken zusammengesteckten Triebwerksmodule zogen sich immer wieder auseinander und klüngelten in der Verkleidung herum. Also hier besonders aufgemerkt!!!!

Als nächstes folgte die zwei Abende dauernde Interpretation, und Umsetzung, des mir vorliegenden Bildmaterials um ein halbwegs authentisches Schlauch und Kabelwirrwar zu erzeugen.





Der nun folgende Schritt war es die Wartungshauben aus der Oberseite der Verkleidung auszuschneiden, und kleine Sheetstreifen einzufügen, um die Anschraubflächen dieser Hauben darzustellen. Diese mussten dann nur noch perforiert werden um die Schraubenlöcher nachzuahmen.



Hier das ganze mal trocken zusammengesetzt:



Nachdem ich über einen Freund einige Bilder der Me 262 im Deutschen Museum in München bekommen hatte, entschloss ich mich zu mittelschweren chirurgischen Eingriffen in den Grundbausatz.
Aus den beiden Rumpfschalen A1 und A2 habe ich einen Teil des Flügelholms (Ich hoffe das ist die richtige Bezeichnung ) ausgeschnitten, um das Widerlager der Fahrwerkszylinder die die betätigung des Fahrwerks übernehmen in der Flügelsektion zu befestigen. Grade dieses Widerlager verhindert, dass man später den zusammengesetzten Rumpfs problemlos auf die Flügelsektion setzen kann. Dieses ist nur dann möglich wenn man den Flügel etwas nach unten durchbiegt und gleichzeitig den Rumpf aufsetzt - kniffelig aber zu machen. Daher meine Lösung in Bildern:

Vorher:


Nachher:


Und das eingesetzte Teil in der Flügelsektion:

Als nächstes waren die Betätigungszylinder des Hauptfahrwerks dran ( C28 ). Hier ergänzte ich die Hydraulikleitungen und die Kabel für den Endschalter der Zylinderendlage ausgefahren.

Auf der innenseite der Fahrwerksräder habe ich noch die Bremsleitungen hinzugefügt, die beim Orginal durch die hohle Fahrwerksachse geführt wurden.

Der nächste logische Schritt war es die Bremsleitungen an den Fahrwerksbeinen zu verlegen.

Und so sieht das Ganze zusammengesteckt aus. Hierzu mussten in den Flügelholm noch 3 Durchführungen gebohrt werden, die wie im Orginal positioniert sind.

Die selben Arbeiten habe ich auch am Bugfahrwerk vorgenommen:



Um den Radschacht in einem Stück aufbauen zu können musste ich wieder einmal zur praktischen Plastikchirurgie greifen. Zunächst einmal habe ich die hintere Cockpittrennwand, die ich schon aus den Teilen A7 und D41 zusammengeklebt habe, entlang der Oberseite von Teil D41 auseinandergetrennt.
Die obere Trennwand vorher:

Und die beiden Teile nachher:



Der komplettierte Radschacht mit einer zugefügten Hydraulikleitung:

Nun nahm ich mich erneut des Bugfahrwerks an, das ich noch mit der Canopy anpassen musste. Als erstes habe ich die Hydraulikleitungen passend gebogen und mit den Bremsschläuchen und Kabeln gebündelt.



Dann wurde ein Loch in die Rückwand der Canopy-Trennwand gebohrt, sowie einige Leitungen nachdetailiert.



Und abschliessend das ganze mal testweise zusammengesteckt:



An den Teilen C44, C55 Habe ich noch einige Hydraulikleitungen hinzugefügt. Die Flügelsektion stellt kein Problem dar. Ziemlich passgenau, nur die Vorflügel bedürfen sorgfältiger Ausrichtung und Behandlung, da sie sehr dünnwandig sind!! Des weiteren muss man sich hier entscheiden on man die Me abgestellt oder im Flug darstellen möchte. Bei abgestellten Me 262 sind die Vorflügel IMMER ausgefahren da sie mangels Hydraulikdruck der Schwerkraft folgen und nach unten rutschen. Dieses wusste ich nicht bis ich das Modell fertig lackiert hatte!!!! Ð Mist. Einen weiteren logischen Fehler hat Trumpeter eingebaut (Ist mir zu meinem Leidwesen auch nicht aufgefallen). Trumpeter hat die Querruder als separate Teile ausgeführt Ð sehr löblich eigentlich, aber leider sind beide in abgesenkter Position dargestellt !!!! Dieses ist praktisch leider nicht möglich da sich die Querruder immer entgegengesetzt bewegen müssen!!!!



Im Folgenden habe ich nach den Bildern aus dem Deutschen Museum die Innereien, die man vom Fahrwerksschacht aus sehen kann ein wenig nachdetailiert. Der Olivgrüne Klotz auf der linken inneren Seite ist ein als Klemmkasten zweckentfremdeter Unterlegeklotz aus dem AFV Sturmtiger Bausatz.











Nun wird es endlich etwas bunter. Zunächst habe ich alle Teile mit normalem Brennspiritus und einem Pinsel entfettet. Hiernach habe ich alle Teile die später einmal metallisch schimmern sollen mit Tamiya X1 Black grundiert.



Jetzt waren die Triebwerke dran: Für die Schläuche und Rohre benutzte ich 950 Black und für die Leitungen 976 Buff von Vallejo.



Für die beiden Rumpfhälften und die Trennwand der Canopy benutzte ich die selben Farben, bis auf die beiden Behälter auf der linken Rumpfhälfte die beim Münchener Orginal blau eloxiert waren (Wenn ich das Bild richtig gedeutet habe). Hierzu benutzte ich 841 Andrea Blue von Vallejo.





Im nun Folgenden werde ich die Modell Color Farben mit MC abkürzen und andere Farben besonders bezeichnen um mir die Schreiberei zu vereinfachen. Um die Canopy zu komplettieren habe ich die Bordkanonen mit MC 865 Oily Steel und ModelAir 080 Rust bemalt. Die Kabel wiederum bemalte ich mit 976 Buff. Für die Fahrwerkszylinder und Stossdämpfer benutzte ich MC 924 Russian Uniform dass meiner meinung nach sehr nahe an RLM02 herankommt. Dann folgte ein washing mit verdünnter schwarzer Farbe.









Weiter ging«s im Cockpit. Hier wählte ich auch das RLM02 pendant MC 924 Russian Uniform als Grundfarbe. Für die Rückenlehne benutzte ich 871 Leather Brown und MC 976 Buff für das Gurtzeug. Die Schnallen bemalte ich mit MC997 Silver. Das weiter Cockpit bemalte ich nach Vorlagen aus dem Internet. Auch hier alterte ich mit einem dezenten washing.







Hier nochmal der zusammengeklebte und gealterte Fahrwerksschacht in voller Pracht.



Beim weiteren Zusammenbau stieß ich noch auf einen dicken Fehler!!!!
Als ich die Flügelsektion auf den Rumpf montieren wollte, war entweder die Hinterkante zum Heck bündig eben ODER die Vorderkante - Niemals beide . Ein anderer Modellbaukollege hatte mit dem selben Problem zu kämpfen. Also nicht faul die Teile die im Weg sein konnten mit etwas Ölfarbe betupft und zusammengepasst. Dann wieder auseinander genommen und den Bösewicht lokalisiert. Das Teil C42 hat in seiner ursprüngliche Form zwar schon einen Radius an der Seite die zur Cockpitwanne hin zeigt, ABER dieser Radius ist nicht zur Wanne passend. Gefahr erkannt - Gefahr gebannt lustig das Bastelmesser kreisen lassen und siehe da - Es passt ohne drücken quetschen und fluchen. Heureka!!



Meine letzte Schandtat war es, die Turbinenbauwerke, die ich so mühsam gestaltet habe, nach einem washing hinter der doch recht profanen Verkeidung zu verstecken . Hier habe ich erst die vier Haltezapfen der Turbine mit den beiden Verkleidungshälften verklebt. Dann die untere Trennnaht, und dann erst die hintere Verkleidung mit Ethylacetat angefügt. Als ich die vordere Verkleidung montieren wollte, fiel mir auf, dass die linke Seite der Verkleidung, an der Trennfuge, nach innen gewölbt war. Als erst die vordere Verkleidung mit der Turbine verkleben und nach dem trocknen einen kleinen Fräser in der Spalt gesteckt und mit Ethylacetat verklebt.



Nachdem ich die beiden Triebwerksgondeln angeklebt hatt, stand erstmal wieder das leidige Spachteln und Schleifen an. Da ich in letzter Zeit diesbezüglich ein wenig am experimentieren bin möchte ich euch meine neuen Favoriten nicht vorenthalten (Ich erhalte keinerlei Tantiemen von genannten Firmen :nöö: . Ist nur mein Subjektiver Eindruck). Zum schliessen feiner Spalten benutze ich mittlerweile Acryl-Feinspachtel von Schmincke. Der große Vorteil ist, dass man zuviel aufgetragene Spachtelmassen im einem mit Spritus befeuchteten Wattestäbchen wieder entfernen kann. auch die Trocknungszeit ist bei dünnen Schichten angenehm kurz.

Des weiteren habe ich für grössere Spalten noch selbsthärtende Modelliermassen von Eberhard Faber für mich entdeckt. Trocknet schnell und lässt sich gut mit einer Farbenkelle in die Fugen drücken. Zur längeren Haltbarkeit einfach in eine Tupperdose luftdicht einpacken.



ALs nächstes habe ich mich der "Arschlastigkeit" der 262 angenommen. Nachdem ich das ungefähre Gewicht des Bleiballasts ermittelt hatte, suchte ich in meinen Anglerklamotten nach etwas Passendem. Benutzt habe ich ein 25-Gramm Birnenblei dem ich aus baulichen Gründen den Karabinerwirbel abknipste. Sitzt passt und wackelt auch nicht mehr, weil eingeklemmt.



Beim Griff in die Teilekiste fiel mir auf, dass ich die Tragholme der Triebwerke F3 noch vergessen hatte. Diese nachträglich in die Verkleidung zu kleben ist etwas kniffelig, da die Radien nicht so ganz passen. Eigentlich sollte dieses Bauteil weiter vorne im Bereich der Wartungsluken eingeklebt werden, aber dort ist es a: nicht möglich und b: im Orginal auch nicht vorhanden. Mit den Radien behalf ich mich folgendermaßen: Die jeweils äusseren Bohrungen oben mit einem Seitenschneider aufkneifen. Dadurch wird das Material auf der Oberseite leicht auseinandergedrückt und der Radius kleiner. Jetzt nur noch einkleben und bemalen.

Nun wollte ich das "Birnenbleidrama" verstecken und musste feststellen, dass die Abdeckhaube mit den Mündungsdurchbrüchen C8 nicht so einfach zu montieren war. Zunächst habe ich versucht die Kanonenmündungen in die von mir aufgebohrten Durchbrüche zu schieben und irgendwie das ganze halbwegs passend zu justieren - Kein Erfolg. Als erstes die Kanonenmündungen gekürzt (Sieht man später eh nicht) und versucht C8 zu montieren. HMMM steht ein wenig hoch und unten ist so ein hässlicher grosser Spalt. Also die Auflageflächen auf der Canopy und an C8 nachbearbeiten. Anschliessend habe ich noch die Strebe mit den Scharnieren für die Wartungsluken C38 zum Teil C8 angepasst.

Zu den Klarsichtteilen muss ich noch was loswerden: Wer die 262 mit geschlossener Kanzel darstellen möchte dem rate ich zu folgender Vorgehensweise: Zuerst die hintere Cockpithaube G4 so montieren, dass sie passend mit dem Rumpfrücken fluchtet. Dann die eigentliche Haube G2 montieren und zum Schluss erst das Teil G1. Wenn etwas nicht passt kann man an der Vorderkante von G1 noch etwas wegschleifen. Ich habe erst G1 und dann G4 angeklebt und habe versucht G2 einzupassen. Es ist nicht viel was da zuviel war aber es klemmte ein wenig. Mir egal, da meine 262 mit offenem Cockpit daherkommen soll und diese Problematik mich nur beim Lackieren stören wird.

Anschliessend habe ich mich (erfolgreich) mit der Möglichkeit befasst, die Wartungsklappen der Canopy beweglich zu gestalten. Zunächt einmal musste das Teil C38 Federn lassen. Hier habe ich die Auflageflächen für die Klappen entfernt und das ganze Teil von unten dünner geschliffen. Dieses ist nötig um der Klappe den nötigen Platz zu schaffen. Nun bohrte ich zwei Löcher sehr nahe an C38 und so hoch wie möglich. Diese Löcher haben einen wesentlich grösseren Durchmesser haben als die Achse die ich verwenden wollte, weil das "Scharnier etwas Spiel haben muss um die Achse nicht wieder abzubrechen. Auch habe ich etwas von den Trennwänden weggenommen um der Klappe Platz zu machen.



Das nächste Problem war, dass die Klappen C6 und C7 aufgrund meiner schon beschriebenen Anpassorgie von C8 nicht so ganz passten. also musste ich an den Vorderseiten der Klappen etwas von den inneren Streben wegnehmen. Dann klebte ich einen 1mm Kupferdraht, mit Sekundenkleber, an die obere Innenseite der jeweiligen Klappe und fixierte diese Verbindung mit Sekundenkleber und Füllerpulver. Anschliessend habe ich diese "Welle" nur noch auf Länge geschnitten und zwischen die Trennwände gefriemelt.





Das ganze einmal offen und geschlossen.



Weiter geht«s
Die Me bekam zunächst eine Grundierung mit dem Primer (097) von Vallejo-Air und ein Pre-Shading mit Tamiya XF-1 Schwarz.

Danach habe ich die Unterseite mit RLM 76 (Vallejo Model-Air 046) lackiert.

Der nun folgenden Abklebeorgie, bei der ich UHU Tack und ein Tamiya-Band ähnliches Klebeband aus dem Hornbach verwendete, schloss sich eine Lackschicht RLM 82 (Vallejo ModelAir 022) an.





Nach erneutem Abkleben, Lackieren mit RLM 81 (Vallejo ModelAir 043) und Entfernen der Masken sieht die Me so aus.



Zunächst habe ich mit Tamiya Gelb XF-3 Flat Yellow die Turbineneinlässe und das Rumpfband lackiert. Als nächstes folgte eine Schicht AS Bodenpflege von Schlecker um die Haftung der Decals zu verbessern.

Nach 24 Stunden Trocknen begann ich die Decals aufzutragen, die nach weiteren 24 Stunden wiederum mit AS Bodenpflege versiegelt wurden (Ich hoffe, dass ich im Bild alle Sonderzeichen retuschiert habe - wenn nicht bitte schreien!!!).

Nach einem dezenten Washing der Unterseite mit verdünntem Schwarz habe ich das Fahrwerk komplettiert.



Nach einer kleinen Schaffenskrise hatte ich erstmal andere Projekte angefangen bzw weiterbearbeitet. Aber nun ist es geschafft!! Hier die Schritte zur Vollendung:
Zunäschst einmal habe ich die Me bis auf die Positionslichter weiter zusammengebaut. Nun folgte ein Auftrag mit Schminke Schlussfirnis - Blöde Idee - Entsetzt musste ich feststellen, dass sich der matte Schlussfirnis wieder von der AS Bodenpflege löste!!! Dieses Problem ist mir in der Kombination mit der Bodenpflege noch nie bei einem anderen Klarlack untergekommen. Also trocknen lassen und Tee trinken. Als nach mehrwöchigem Trocknen dieses Phänomen noch immer auftrat, rang ich mich durch zu neuen Taten. Ein Überzug mit Schminke Pastell-Fixaktiv brachte Abhilfe.








Alle Fotos © 2009 Thorsten Wöhrmeyer