Der Bausatz präsentiert sich in einer ansprechend gemachten Kartonage; die Spritzlinge sind (fast) gratfrei. Mitgeliefert werden Photoätzteile sowie eine Spritzgußkanzel. Der Abziehbilderbogen erlaubt die Darstellung zweier italienischer Maschinen sowie einer deutschen Beuteversion. Allerdings stimmt beim Modell für die Luftwaffen-Variante die Bewaffnung nicht! (Hierzu mehr weiter unten)
Der Zusammenbau ist eigentlich ein Kinderspiel bis auf eine short-run-typische Paßungenauigkeit: Baut man die Cockpitsektion wie vorgesehen ein, kollidiert diese mit der Tragfläche und der Rumpf läßt sich kaum mit der Tragfläche verbinden! Also heraus mit der Proxxon/Dremel (oder was auch immer der jeweilige Bastler an motorgetriebenem Werkzeug hat) und an der Cockpitunterseite und auf den Radschächten der Tragfläche ordentlich was runterschleifen. Glücklicherweise ist das Plastikmaterial an diesen Stellen recht dick, sodass dies ohne große Beschädigungen funktioniert. Andererseits: Wäre das Plastik hier nicht so dick, hätte die beiden Baugruppen vielleicht auch ohne Schleifen gepasst
Auf der Tragflächen-Oberseite begegnet uns auch der einzige wirklich gravierende Fehler der "207": Die von der Luftwaffe erbeutete SAI 207 hatte statt der Rumpf-MGs zwei 20mm Mauser-Kanonen in der Tragfläche eingebaut die hierbei auffälligen Abdeckungen der Kanonen fehlen beim Bausatz. Also nahm ich mir einen übriggebliebenen Hasegawa-Kit der FW 190 und lieh mir die dort als Einzelteile vorhandenen MK-Abdeckungen aus, passte sie in der Form an die italienische Tragfläche an und hatte nunmehr eine SAI 207, wie sie die Deutschen erbeutet haben. Schade, dass bei einem Bausatzpreis von über 20 Euro für solch einen Winzling ein solcher Fehler überhaupt auftaucht ich hätte mir an dieser Stelle ein wenig mehr an Recherche gewünscht.
Die Lackierung des Modells ist schlicht Ansichtssache. Wie man gut sehen kann, habe ich das Modell der Einfachheit in der Unterseitenfarbe grundiert diese Vorgehensweise hat den Vorteil, auf der Unterseite direkt das "preshading", also die Vorschattierung mit ModelMaster "Aircraft Interior black" aufbringen zu können. Ein zweiter, nebelfeiner und keinesfalls deckender Auftrag mit der Grundfarbe bewirkt dann ein Abtönen der dunkelgrauen/schwarzen Vorschattierung, so daß nur noch ein Hauch von Schwarz zu sehen ist.
Auf der Oberseite ist das "Preshading" in seiner ganzen Pracht zu sehen:
Der nächste Arbeitsschritt besteht dann im Auftragen des grünen Farbtons. Auch hier gilt: mehrere nebelfeine Schichten sind besser als eine zu dicke Schicht sonst scheint das Preshading kaum durch und die Arbeit des Vorschattierens war "für die Katz"!
Und warum das Ganze?
Nun, es unterstreicht die Panellinien und trägt meines Erachtens nicht unerheblich zur Lebendigkeit des Models dar. Gewiß: In der Realität sind Panellinien in der Regel nicht ganz so hervorstechend, aber Modellbau bedeutet für mich auch die Lizenz, künstlerisch ein wenig zu interpretieren und zu "spielen".
Ein Starfighter mit überdeutlich hervorgehobenen und akzentuierten Panellinien wäre gewiß unrealistisch andereseits kann man damit "Leben" in´s Modell bringen. Letztlich muß jeder selbst wissen, was er möchte.
Doch zurück zum Modell:
Nach dem Durchtrocknen (2 Tage sicherheitshalber) werden die Oberseiten mit grün getarnt, zuvor die weiße Bauchbinde auftragen. Nach erneuter Trocknungszeit wird das Modell dann mit Glanzlack oder, in meinem Fall mit "Future" lackiert. Danach kommen dann die Abziehbilder auf die glänzende Oberfläche damit wird das gefürchtete "Silvering", also das Durchscheinen des Trägerfilms der Abziehbilder, verhindert oder doch zumindest minimiert.
Sind Lackierung und Markierung abgeschlossen, wird unsere SAI noch mit Kleinteilen (Pitotrohr aus Injektionsnadel und Draht, Venturi-Staurohr) versehen und fertig ist der "deutsche Italiener"
Fazit:
Das Modell hat kleinere Schwächen (fehlende Mauser-Kanonen-Abdeckung, schlechte Passung Rumpf/Tragfläche aufgrund der Cockpitsektion, aber für ca. 20 Euro erhält man ein schmuckes kleines Modell einer weniger bekannten Maschine und noch dazu mit der Möglichkeit, eine deutsche "Beute" bauen zu können.
Well done, Robert Schneider! Wenn jetzt noch die SAI 403 "Dardo" mit dem geänderten Leitwerk von RS "nachgeschoben" würde, wäre die Sache perfekt. Die "Dardo" gibt es zwar als Vacu-Modell, aber Spritzguß ist zumindest mir lieber!
Bezugsquelle:
Take Off in Lorsch www.take-off-lorsch.de
Literatur: Ali d´Italia Mini Serie Nr. 9 "SAI-Ambrosini 207 e derivati, ca. 15 Euro